Handwerk Journalismus:
Von Lehrlingen, Gesellen und Meistern

Viele Journalisten (erst recht Nicht-Journalisten) halten uns wahlweise für verhinderte Schriftsteller  oder für verhinderte Detektive. Als Journalist ist man demnach entweder ein genialischer Kolumnist, der sich in durchzechten Nächten geile Formulierungen rausquetscht. Oder ein Wannabe-Geheimagent, die menschgewordene Watergate-Affäre.

Die Leute glauben dementsprechend, es sei eine Frage der Begabung, ob man Journalismus kann. Oder eine Frage des Mutes. Wer weder das eine noch das andere mitbringt, wird eben kein Journalist.

Übung macht den Profi

Beides ist Quatsch. Journalismus ist ein Handwerk, nicht mehr, nicht weniger. An der Keimzelle von wortwert, der Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft (KJS) in Köln, ist das ein eherner Grundsatz. Die Idee lautet: Das Einmaleins des Berufs lässt sich lernen, wenn man die richtigen Techniken kennt und viel übt. Klar braucht es eine gewisse Grundbegabung. Aber die bringen mehr Menschen mit, als es von sich denken.

Seit den Anfängen von wortwert pflegen wir als Handwerker das Vier-Augen-Prinzip. Seitdem geht hier nichts zum Kunden, was nicht vorher ein Kollege gegengelesen hat. Es gibt schließlich IMMER etwas zu verbessern. Dasselbe gilt, wenn ein Auftraggeber den Einstieg neu haben will, den Mittelteil, den Schluss. Dann machen wir das. Und fangen nicht an zu schmollen wie verkannte Genies.

Wie beim Elektriker

Weil wir Redakteure, Volontäre und Praktikanten beschäftigen (von denen die meisten bei uns gelernt haben), passt das Bild vom Handwerksbetrieb noch besser. Wie in einer Schreinerei oder beim Elektriker gibt es drei Meister, die den Betrieb führen. Es gibt Lehrlinge, unsere Volontäre. Es gibt junge Redakteure, die schon viel können, aber denen noch Erfahrung fehlt. Sie gleichen Gesellen. Und dann gibt es langjährige Redakteure, die längst selbst Meister ihres Fachs sind.

Auch Wissen vermitteln wir nach diesem Modell: wer in irgendetwas ein Meister ist (egal ob Chef oder Redakteur), bringt es den Gesellen und Lehrlingen bei. Alle lernen an jedem Werkstück, das sie in die Hand nehmen. Einer der erfahreneren Handwerker sagt, wie es noch besser geht. Immer wieder kommt auch ein Kunde mit einer Aufgabe, die für uns alle neu ist, und an der wir dann gemeinsam wachsen. So werden wir bessere Handwerker. Mit Kunst hat das herzlich wenig zu tun.

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