Ausbildung: Was Journalisten heute wissen müssen

Ulric Papendick, Geschäftsführender Direktor der Kölner Journalistenschule

Die Ursprünge der Wirtschaftsredaktion wortwert liegen an der Kölner Journalistenschule (KJS). Die Gründer und heutigen Partner des Unternehmens haben Ende der 1990er Jahre ihr Handwerk hier gelernt. Bis heute sind wir der Schule, die nur einen Steinwurf von unserem Kölner Stammsitz entfernt liegt, eng verbunden. Wir arbeiten als Dozenten für die Schule, sind im Vorstand des Trägervereins aktiv und rekrutieren Mitarbeiter und Praktikanten von der KJS. Im kommenden Jahr feiert unsere Ausbildungsstätte 50-jähriges Bestehen. Im Gespräch mit Ulric Papendick, Geschäftsführender Direktor der Schule, diskutiert Olaf Wittrock über die Zukunft der Journalistenausbildung – und die DNA der KJS.

Olaf Wittrock: Lieber Uli, in diesem Jahr hat die Kölner Journalistenschule zum ersten Mal einen Digital Innovation Day veranstaltet. Was genau ist da passiert?

Ulric Papendick: Der Digital Innovation Day war ein exklusives Event für etwa 100 Schüler und Ehemalige, die sich in mehreren Workshops mit neuen Ideen, technischen Entwicklungen und digitalen Innovationen im Journalismus beschäftigen konnten. Da ging es Virtual Reality, Podcasts, Chatbots oder moderne Erzählformen, aber auch um Metathemen etwa die Zukunft der Finanzierung von Medieninhalten oder Entrepreneurship.

Olaf Wittrock: Alles Dinge, die heute eigentlich auch in die Ausbildung gehören, oder?

Ulric Papendick: Ja und nein. Sicherlich lehren wir heute vieles rund um die Veränderungen im Journalismus vom Beginn der Ausbildung an. Gleichzeitig haben wir aber im Lauf der Zeit aber festgestellt, dass manches davon ganz schön spezielles Wissen erfordert. Das hat auch der Digital Innovation Day gezeigt: Bei manchen Themen steige ich echt aus…

Olaf Wittrock: Das kann ich gut verstehen. Wer Datenrecherchen stemmen will, Zugänge ins Deep Web braucht oder kleinere Programmierarbeiten selbst erledigt, der ist ja schnell ein halber Informatiker. Wie geht die Schule damit in der Ausbildung um?

Ulric Papendick: Wir lehren alle Schüler gewisse Grundfertigkeiten, halten es zugleich aber auch für sinnvoll, sich zu spezialisieren, beispielsweise wenn bestimmte technische Kompetenzen gefragt sind. Da fächert sich dieses Berufsfeld in der Tat immer weiter auf. Wir diskutieren gerade zum Beispiel, ob wir in höheren Semestern stärker mit Wahlfächern arbeiten.

Olaf Wittrock: Du kennst ja auch die andere Seite des Arbeitsmarkts gut. Ist es wirklich von Vorteil, wenn man als Journalist heute beispielsweise die Programmiersprache Python versteht?

Ulric Papendick: Jedenfalls schadet es nicht, irgendeine spezielle Begabung oder ein spezielles Wissen zu besitzen. Grundfertigkeiten im Programmieren, das könnte so ein Wissen sein, aber genauso gut zum Beispiel der versierte Auftritt vor der Kamera oder vertiefte Kenntnisse in investigativer Recherche. Man muss nicht für alles Experte sein. Aber es ist schon sinnvoll, interessiert zu beobachten, was in dem Beruf gerade passiert.

Olaf Wittrock: Wobei man nicht vergessen darf, dass das traditionelle journalistische Handwerkszeug nicht weniger wichtig wird.

Ulric Papendick: Unbedingt. Die Grundfertigkeiten des Journalismus bleiben auch im digitalen Wandel gleich: Es geht nach wie vor um die Fähigkeit, Sachverhalte zu erfassen, unvoreingenommen und von unterschiedlichen Seiten beleuchten, und dann spannend zu erzählen. Dieses Grundgerüst, der journalistische Mindset, mit dem Du an Sachen rangehst, der bildet auch in Zukunft sicher den Kern der Ausbildung.

Olaf Wittrock: Ich habe den Eindruck, der Beruf wird immer anspruchsvoller. Da ist zum einen das klassische Handwerkszeug, die Recherche und die Textarbeit, und dann kommen zusätzlich noch all die neuen Erzählformen oben drauf.  Von inhaltlicher Expertise ganz zu schweigen.

Ulric Papendick: Journalist zu sein war immer schon ein anspruchsvoller Beruf. Momentan ist da vieles in Bewegung. Ich habe zum Beispiel den Eindruck, dass die inhaltliche Expertise auf manchen Feldern künftig womöglich nicht mehr so ausgeprägt sein wird wie zur Zeit der ausgewiesenen Branchenspezialisten: In vielen Redaktionen sind inzwischen mehr Generalisten unterwegs. Ich selbst kam in meiner Zeit beim Managermagazin jedenfalls immer vor allem vom Themen- und Fachwissen her. Die unterschiedlichen Erzählformen standen hintenan. Heute muss jeder selbst überlegen, was er hier für ein journalistisches Profil anbieten will.

Olaf Wittrock: Wenn man zum Beispiel die Investigativ-Ressorts anschaut, die zuletzt so stark im Fokus standen: Da steht klar die Recherchetechnik im Vordergrund. Ob es dann im Einzelfall um Korruption, das Rotlichtmilieu oder den Profisport geht – die schnelle Eingreiftruppe arbeitet sich in jedes Ressort ein…

Ulric Papendick: …wobei nach wie vor auch Branchenkenner gefragt sind. Wer bereit ist, sich in ein Thema reinzufuchsen, das andere nicht interessiert, der hat die besten Chancen, relativ schnell zum gefragten Experten zu werden.

Olaf Wittrock: Das ist letztlich ja auch immer ein Credo der Schule gewesen, mit ihrem Fokus auf das Wirtschaftsressort. Nun wird die Kölner journalistenschule im kommenden Jahr 50 Jahre alt. Du bist seit gut zwei Jahren Schulleiter. Wie blickst Du auf dieses Jubiläum?

Ulric Papendick: Durchaus mit einer gewissen Ehrfurcht. Ich finde es überaus beachtlich, dass diese Schule durch all die bewegten Jahrzehnte letztlich so erfolgreich hindurchgesteuert hat, dass sie nach wie vor für die Medien von so großer Bedeutung ist, wie es die vielen Absolventen zeigen, die Karriere in der Branche gemacht haben – und das alles unabhängig von einem großen Geldgeber. Das Netzwerk aus fünf Jahrzehnten Absolventen ist immens. – und ein Erfolgsbeweis dafür, dass die Schule eine DNA hat, die funktioniert.

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